Interview mit Linus Erdmann

„Bei Olympia 2024 würde ich gerne Bundestrainer des deutschen Kitesurf-Teams sein“

 Der sechsmalige Deutsche Freestyle-Meister Linus Erdmann aus Hamburg bestreitet beim Land Rover Kitesurf World Cup Sylt seinen ersten Wettkampf des Jahres

 

Linus Erdmann ist sechsmal Deutscher Kitesurf-Meister in seiner Parade-Disziplin Freestyle geworden. Der 24-Jährige stand bereits mit neun Jahren auf dem Board und startete als 14-Jähriger zum ersten Mal beim Kitesurf World Cup, der zu diesem Zeitpunkt noch in Sankt Peter-Ording ausgetragen wurde. Im weiteren Verlauf seiner Profi-Karriere fuhr der beste deutsche Freestyler auf der World Tour mit und erzielte bei Weltmeisterschaften in Brasilien und Cabarete Top-Ten-Platzierungen. Der frisch verheiratete Familienvater ist Mitbegründer der Jugendförderungs-Initiative „Children of the Sea Academy“, bei der Nachwuchs-Kitesurfer in Camps und bei Events geschult und auf eine mögliche Profi-Laufbahn vorbereitet werden. Während Linus Erdmann normalerweise mit einer festen Bindung auf dem Board antritt, stellt die ausgerichtete Disziplin „Kite-Surf“ beim Land Rover Kitesurf World Cup eine große Herausforderung für ihn da. Denn auf Sylt wird „strapless“, also ohne Schlaufen oder Bindung gefahren. Das Event beginnt in einer Woche am 17. August.

 

Wie bereitest Du Dich auf Sylt vor?
Ich habe ein neues leichtes Board und konnte in diesem Jahr wegen der Corona bedingten Ausfälle viel trainieren. Auch bei meinem Shooting in Dänemark für den Kitesurf World Cup Sylt mit Titelsponsor Land Rover war ich jede freie Minute auf dem Wasser. Mein Level ist gut, ich werde den Zuschauern vor Westerland viele Tricks zeigen.

Die zeigst Du auch jungen Nachwuchs-Kitern, die Du in Camps und Workshops ausbildest.
Es geht bei der Children of the Sea Academy nicht nur um das Kitesurfen. Wir wollen den jungen Fahrern:innen auch eine gesunde und natürliche  Lebensweise vermitteln und gemeinsam auf dem Wasser Erfahrungen aller Art sammeln.

Du hast ziemlich früh Erfahrungen auf dem Board gesammelt.
Mein Vater war ein Brettsport-Fanatiker und ich habe als kleiner Junge vom Skateboarden über Wakeboarden bis zum Windsurfen alles ausprobiert. Mit neun Jahren kam das Kitesurfen an die Reihe und ich war sofort süchtig.

Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Auftritt beim Kitesurf World Cup in Deutschland erinnern?
Das ist zehn Jahre her, ich war damals 14 und ziemlich aufgeregt, weil dort die besten Fahrer:innen der Welt am Start waren. Meine beste Platzierung war ein achter Platz.

Nach St. Peter-Ording und Fehmarn ist Sylt seit 2019 Austragungsort des Kitesurf World Cup. Du bist als Teilnehmer das erste Mal in Westerland mit dabei. Was ist das Besondere an diesem Spot?
Man hat fast immer Wind. Das ist der Vorteil, wenn man auf einer Insel in der Nordsee Wettkämpfe austrägt. Es gibt vor Westerland teilweise eine starke Strömung und man muss mit extremen Wellen rechnen. Die kann man gut als Absprung-Rampe nutzen und hohe Sprünge machen.

Mit Strapless Freestyle und Wave werden auf Sylt zwei Varianten in der gemischten Disziplin „Kite-Surf“ ausgetragen. Kannst Du beide kurz erklären?
Beim Freestyle geht es darum, viele Tricks und Rotationen zu zeigen und möglichst einen eigenen Stil zu kreieren. Man fährt im KO-System gegeneinander, internationale Kampfrichter:innen beurteilen die Schwierigkeit der Moves und vergeben entsprechend Punkte. In der Disziplin Wave muss man die Welle in alle Richtungen abreiten und dabei saubere und kraftvolle Turns zeigen. Wichtig ist es, die Welle richtig zu lesen. Je nach Bedingungen entscheiden die Judges, welche Variante gefahren wird.

Beim Strapless Freestyle sind die Fahrer nicht durch Schlaufen mit dem Board verbunden. Was muss der Kiter beachten, um das Brett nicht zu verlieren?
Man hat Pads auf dem Board und dadurch eine gewisse Haftung. Beim Start und beim Absprung muss man das Brett stark in den Wind drücken, damit es an den Füßen kleben bleibt. In der Luft kann man es anfassen und so genannte Grabs zeigen. Während der gesamten Flugphase muss das Board in den richtigen Winkel zum Wind gestellt werden, damit man es nicht verliert. Deshalb braucht man beim Strapless Freestyle mehr Wind als beim Twintip, wo man in Schlaufen auf dem Brett steht.

 

Mit welchen Ambitionen startest du auf Sylt?
Ich will alle Tricks zeigen, die ich draufhabe, alles sicher stehen und insgesamt gut performen. Nach den Corona bedingten Ausfällen habe ich große Lust, wieder Wettkämpfe zu bestreiten und gegen andere Athleten:innen anzutreten. Das Niveau auf Sylt ist natürlich extrem hoch, da die absolute Weltspitze am Start ist. Ich freue mich sehr, die Gesichter aus der Szene wiederzusehen.

 

In diesem Jahr gibt es wegen Corona keine Party auf dem Eventgelände. Ist das für Dich ein Problem oder bist Du kein Partygänger?
Partys sind und waren nie mein Hauptanliegen. Aber Freunde zu treffen und Spaß zu haben, ist nie verkehrt.

 

Die Olympischen Spiele sind gerade beendet. In drei Jahren ist Kitesurfen in Frankreich erstmals eine olympische Disziplin. Sehen wir dort Linus Erdmann im deutschen Trikot?
Bei den Olympischen Spielen 2024 wird in Marseille die Disziplin Racing ausgetragen. Da sehe ich mich nicht als Teilnehmer, sondern als Coach. Bei Olympia 2024 würde ich gerne Bundestrainer des deutschen Kitesurf-Teams sein und die nächste Generation unterstützen, sodass sie Deutschland in Frankreich gut repräsentiert.

 

Es hat lange gedauert, ehe Kitesurfen eine olympische Disziplin wurde. Was haben Veranstaltungen wie der Land Rover Kitesurf World Cup zu dieser Nominierung beigetragen?
Jedes Kitesurf-Event ist eine Bereicherung und schafft Aufmerksamkeit, je mehr, desto besser. Der Kitesurf World Cup, bei dem die besten Athleten:innen der Welt starten, hat seit dem Start 2006 immer ein großes mediales Echo erzeugt. Das ist wichtig, um unseren Sport voranzubringen.

 

Wie sieht Deine Zukunft aus?
Wassersport ist meine Leidenschaft und damit möchte ich meinen Lebensunterhalt bestreiten. Ich kann mir verschiedene Positionen vorstellen, etwa als Coach, Repräsentant oder Berater, der in Zusammenarbeit mit Firmen neues Equipment entwickelt. Meine Zukunft liegt im Wasser.

Der Beitrag Interview mit Linus Erdmann erschien zuerst auf Kitesurf World Cup.

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