Interview mit Mario Rodwald

Die PKRA World Tour ist Vergangenheit und kurz vor Weihnachten haben wir die Gelegenheit genutzt und uns mit Mario Rodwald, dem wohl besten Kitesurfer Deutschlands, unterhalten. Im Gespräch ging es um seine Fortschritte bei der Reha, die neuen Kitechampions und seine Wünsche für das Jahr 2015.

Hallo Mario, Du hast dich vor etwas mehr als vier Monaten beim Think Blue. Kitesurf World Cup in St. Peter-Ording verletzt. Wie geht es Dir heute?

Im Moment fühle ich mich sehr gut. Zwar gibt es immer mal wieder Tage an denen mir mein Knie schmerzt oder durchs Training gereizt ist, aber das ist normal. Insgesamt bin ich super zufrieden und auch die Reha läuft gut. Ich mache jede Woche gute Fortschritte.

Wie machen sich die Fortschritte bemerkbar?

Dass es voran geht merkt man vor allem daran, dass einem bestimmte Bewegungsabläufe, wie beispielsweise das Treppensteigen, leichter fallen und man damit weniger Probleme hat. Beim Krafttraining macht sich ein Fortschritt in Form von höheren Gewichten bemerkbar. Es fühlt sich gut an, wenn man 10 Kilogramm mehr auflegen kann als in der letzten Woche. Dann weiß man, dass es voran geht.

Think Blue Kitesurf World Cup

Mario Rodwald beim Kitesurf World Cup auf St. Peter-Ording

Hast Du schon eine Ahnung, wann du wieder zurück aufs Wasser darfst?

So genau kann man das zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Ich mache mir da aber auch keinen Druck und schaue einfach wann ich mich körperlich dazu bereit fühle und mir die Ärzte das Go geben.

Wenn Du fit bist verbringst Du deine Zeit sicher auf dem Wasser. Wie sieht aktuell ein typischer Tag für dich aus?

Nach meiner Verletzung war ich zwei Wochen im Krankenhaus und musste in der Anfangszeit auch zuhause viel Ruhen und mein Knie schonen. Mittlerweile trainiere ich an fünf Tagen in der Woche. Nach dem Aufstehen absolviere ich immer ein 30-minütiges Grundprogramm und im Fitnessstudio oder beim Physiotherapeuten konzentriere ich mich immer auf einen bestimmten Bereich. In der Regel steht zwei Mal die Woche intensives Beintraining an, zwei Mal trainiere ich meinen Oberkörper und an einem Tag gehe ich zum Physiotherapeuten. Außerdem gehe ich noch zur Massage und ungefähr alle zwei Wochen zum Arzt.

Klingt nach einem anstrengenden Programm. Lass uns mal über die vergangene PKRA World Tour reden, deren Ausgang Du ja sicher auch verfolgt hast. Am Ende haben Christophe Tack und Karolina Winkowska den Weltmeistertitel gewonnen. Verdient?

Meiner Meinung nach ja. Wobei das Duell zwischen Karolina und Gisela (Pulido) wirklich sehr knapp war und beide eine wirklich sehr beeindruckende Saison hinter sich haben. Beide haben einen großartigen Stil und fahren mit sehr viel Power. Das waren immer sehr knappe Entscheidungen.

Dass Christophe der größte Favorit ist hat er ja schon am Anfang der Tour gezeigt. In den ersten fünf Rennen ist er ja quasi ohne nennenswerte Konkurrenz gefahren und holte drei Siege. Das war schon beeindruckend und ich habe mich sehr für Christophe gefreut. Obwohl Liam ihm am Ende schon recht nahe kam.

Du sprichst von Liam Whaley, der in diesem Jahr immerhin drei World Cup Siege feiern konnte.

Genau. Das Liam mal um die Weltmeisterschaft mitfährt war meiner Meinung nach abzusehen. Schon im letzten Jahr hat er mit seiner Leistung in Spanien und in China (jeweils Rang 2. Anm. die Red.) gezeigt, dass er das Potential zum Gewinn eines Weltmeistertitels besitzt.

Also ist er für dich einer der Titelkandidaten für 2015?

Absolut. Ich denke, dass Christophe und Liam die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr unter sich ausmachen werden.

Was ist mit dem Rekordweltmeister Aaron Hadlow? Er konnte in diesem Jahr in Deutschland immerhin einen World Cup Sieg feiern und gehört sicher noch zu einem der besten Kiter der Welt.

Aaron ist ohne Frage ein großartiger Fahrer mit dem man immer rechnen muss. Aber ich glaube, dass Christophe und Liam einfach ein bisschen heißer auf den Sieg sind. Aaron hat immerhin schon 5 Titel geholt.

Wer mich in diesem Jahr aber wirklich überrascht hat und das Zeug hat, oben mitzufahren ist Youri Zoon. Trotzdem er in seiner Karriere mit vielen Verletzungen zu kämpfen hatte, ist er immer wieder zurückgekommen und wurde in diesem Jahr vierter. Man merkt, dass er eine ungeheure körperlich Fitness und einen großen Willen hat.

Bei den Damen steht das Duell um Rang 1 ja eigentlich schon fest. Gisela Pulido gegen Karolina Winkowska. Wer hat deiner Meinung die Nase vorn?

Ich denke auch, dass es zu diesem Zweikampf kommt und ich würde auf Gisela tippen. Ich glaube sie ist trotz ihrer Niederlage im Moment die bessere Fahrerin. Ich hab mir ein paar Videos von ihr angesehen. Was sie macht ist wirklich beeindruckend.

Was ist mit den deutschen Kitern? Bisher waren in der Regel ja nur Linus Erdmann und Du bei den World Cups vertreten. Was hältst Du vom deutschen Kite-Nachwuchs?

Wir haben auf jeden Fall einige großartige Talente im Juniorenbereich. Es gibt zwar keinen jungen Fahrer, der alle anderen überragt und aus der Masse heraussticht, aber wir haben eine große Basis an sehr talentierten Jungs und ich denke, dass der ein oder andere den Sprung zu den Profis schaffen kann. Die deutschen Meisterschaften sind ja schon mal eine gute Bühne für die Jungs, um sich in den Fokus zu fahren.

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Doppelter Rodwald: Mario neben seinem pappenden Ebenbild. In Berlin hielt er einen Vortrag über das Kitesurfen.

Bis zum nächsten World Cup ist es ja noch etwas hin und viele deiner Kollegen verbringen die Wintermonate in wärmeren Gefilden. Neidisch?

Schon ein wenig. Eigentlich verbringe ich diesen Teil des Jahres auch im Süden um zu trainieren. Ich war gerade zusammen mit meinem Vater in Spanien und habe ein paar von den Jungs wie zum Beispiel Liam getroffen und ihnen beim Training zugeschaut. Bis Ende Januar werde ich aber auf jeden Fall in Deutschland bleiben. Das hat aber auch Vorteile. Hier kann ich mich voll und ganz auf meine Reha und mein Training konzentrieren, um schnell wieder fit zu werden. Wenn man unterwegs ist lässt man das ja immer mal ganz gerne schleifen und mutet sich zu viel anderes zu. Deshalb ist es auch ganz gut, dass ich mich auf mich konzentrieren kann.

Und die Weihnachtstage verbringst du bei deinen Eltern und lässt dich verwöhnen?

Genau.

Was hast Du dir für das nächste Jahr vorgenommen und was wünscht Du dir für 2015?

Natürlich ist es mein Ziel im nächsten Jahr wieder einen World Cup fahren zu können, aber da werde ich nichts überstürzen und warten, bis ich wirklich bei 100, oder besser 110 Prozent bin. Irgendwann merkt man, dass man bereit ist. Bis es soweit ist, will ich mich noch ein paar anderen Projekten widmen.

Vielen Dank für das Gespräch und werde schnell wieder fit.

 

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